Sie haben sich erfolgreich abgemeldet.
Not registered yet?
Sichere Stomaversorgung
Ein Stoma bedeutet für Betroffene eine enorme Veränderung im Alltag. Sergio Lacasa, Ingenieur bei B. Braun in Frankreich, entwickelt seit fast 20 Jahren innovative Stomaversorgungssysteme. Mit dem Team Forschung & Entwicklung (F&E) arbeitet er an hautfreundlichen Klebern, geruchsdichten Filtern und Beuteln, die auf die individuellen Bedürfnisse der Träger*innen zugeschnitten sind – damit Menschen mit Stoma ihr Leben unbeschwert weiterführen können.
Wenn man durch das richtige Fenster schaut, kann man von den B. Braun-Büros im Südwesten Frankreichs den Atlantischen Ozean und die Bergspitzen der Pyrenäen sehen, aber Sergio Lacasa ist mit seinem Kopf gerade ganz woanders. Vor ihm liegen siebzehn verschiedene Stomabeutel und zwei Basisplatten. Sergio ist Projektleiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von B. Braun Medical am Standort Saint-Jean-de-Luz. In der kleinen Gemeinde im Baskenland werden jährlich 35 Millionen Beutel und Platten für Menschen hergestellt, die einen künstlichen Urin-, Dickdarm- oder Dünndarmausgang brauchen: Urostomie-, Kolostomie- und Ileostomiebeutel.
„Das Leben dieser Menschen wird durch die Stoma-OP komplett auf den Kopf gestellt. Sie haben jetzt einen künstlichen Ausgang in ihrem Körper”, sagt Sergio und zeigt an einer Kunststoffpuppe, wie die operativ geschaffenen Körperöffnungen aussehen können – klein, groß, gewölbt, nach innen gezogen. „Der Stuhl oder der Urin kommt hier ohne Kontrolle an”, sagt Sergio. Die Stomabeutel müssen deshalb ohne Wenn und Aber funktionieren. Sie müssen dicht sein, gut an der Haut haften, auf keinen Fall Flüssigkeit oder Geruch austreten lassen. „Das wäre der worst case, das darf einfach nicht passieren”, sagt Sergio.
“Im Fokus unserer Arbeit steht immer ein Mensch. Diese Verantwortung ist mir bewusst, und die trägt auch jeder einzelne Mitarbeiter und jede einzelne Mitarbeiterin hier.”
Er macht diesen Job schon seit fast zwanzig Jahren. Der Kern seiner Arbeit bei B. Braun ist seitdem immer gleichgeblieben: Die Stomaanwender*innen müssen sich sicher fühlen. Für eines seiner ersten Projekte arbeitete der Ingenieur für Kunststofftechnik an einem Pulver, das den Stuhl im Beutel in Gel verwandelt, damit der Inhalt für die Anwender*innen angenehmer zu tragen ist. Mittlerweile hat Sergio zahlreiche Projekte geleitet: Filter entworfen, die mit semipermeabler Membran und Aktivkohle dabei helfen, dass Gase geruchslos entweichen können, ohne den Beutel aufzublähen; einen neuartigen Klebstoff entwickelt, der besonders sanft zur Haut ist, oder spezielle Auslaufhähne konstruiert, die es ermöglichen, den Beutel zu entleeren. Übersetzt bedeutet das: Die Anwender*innen sollen sich keine Gedanken um unangenehme Gerüche, auffallende Geräusche, offene Hautwunden oder unangenehme Situationen im Alltag machen müssen. „Im Fokus unserer Arbeit steht immer ein Mensch. Diese Verantwortung ist mir bewusst, und die trägt auch jede einzelne Mitarbeiterin und jeder einzelne Mitarbeiter hier”, sagt Sergio. Die Stoma-Anwender*innen müssen sich auf Sergio und das gesamte F&E-Team verlassen können, weil sie sich auf ihre Beutel verlassen müssen – jede Sekunde des Tages, jede Minute der Nacht.
Sergio tauscht sich regelmäßig mit Stomapflegekräften über die Bedürfnisse der Stoma-Anwender*innen aus. „Die Stomapflegekräfte haben eine viel bessere Vorstellung davon, wie das Leben der Menschen mit Stoma wirklich aussieht“, sagt Sergio. Durch diese Gespräche erfuhr er etwa, dass viele Anwender*innen Probleme haben, durchzuschlafen. Einige von ihnen mussten nachts immer wieder aufstehen, um ihren Beutel zu leeren. Daraufhin entwickelte das F&E-Team vor einigen Jahren einen 2-Liter-Auffangbeutel mit einem langen Entleerungsschlauch, der an den Stomabeutel angeschlossen werden kann.
Circa
0
Menschen in Deutschland leben zeitweilig oder dauerhaft mit einem künstlichen Darmausgang oder einer künstlichen Harnableitung
Über
0Mio.
Menschen weltweit sind auf Stomaprodukte angewiesen
Jährlich ca.
0%
wächst der globale Markt für Stomapflege und Hilfsmittel
Das ist nur eines von vielen Beispielen, die Beutel und Basisplatten gibt es mittlerweile in mehr als 100 Ausführungen: mit oder ohne Ausgang, je nachdem, wie flüssig der Stuhl ist und wie eingeschränkt sie in ihrer Mobilität sind, konvexe Formen, die sich besser an Falten, Narben oder ein zurückgezogenes Stoma anpassen, extraweiche Pflaster für sensible Haut, einteilige und zweiteilige Systeme mit Basisplatten, damit die Position der Beutel besser angepasst werden kann, Urinauffangbeutel für die Nacht, verschiedene Auslaufhähne. Sogar die Farben und der Stoff können angepasst werden: für Stomapflegekräfte ist es wichtig zu sehen, was in dem Beutel ist, die Anwender*innen selbst möchten nicht immer mit dem Inhalt konfrontiert werden. „Ein Stoma kann auch die Psyche belasten. Das dürfen wir nicht vernachlässigen”, sagt Sergio mit Nachdruck.
„Starten tut jedes Projekt erstmal hier”, sagt Sergio jetzt. Seine dunkelblaue Hose und der gestreifte Pullover werden mittlerweile von seinem weißen Schutzkittel verdeckt. Sergio steht nun in einem von mehreren Laboren der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, in die man durch einen gläsernen Gang mit Holzboden gelangt. Spachtel liegen bereit. In einer Ecke steht eine kleine Herdplatte, damit man die Klebemasse erhitzen kann, dann löst sie sich besser. Unter einem Tisch befinden sich weiße Plastikbehälter mit der Beschriftung „Hydrocolloïde”, verschiedene Entwürfe für blütenförmige Hautschutze sind auf beschichtetem Papier zu sehen. Es sieht aus wie die Produktionshalle in Miniaturform. „Wenn die ersten Versuche gut genug sind, geht es zu den größeren Maschinen”, sagt Sergio. Die Entwicklungsabteilung ist dafür zuständig, dass Produkte besser werden, dass neue dazukommen, dass bewährte Produkte auf hohem Niveau bleiben. „Immer mit dem Ziel, die peristomale Haut zu schützen und dass alles dicht bleibt”, sagt er. Einmal, kann sich Sergio erinnern, nahm eine sehr leidenschaftliche Krankenpflegerin einen Beutel und stampfte darauf herum, um sich sicher zu sein, dass ihre Stomaanwender*innen nichts zu befürchten haben. Für Fußtritte wurde der Beutel zwar nicht entworfen, gehalten hat er trotzdem.
Die Verantwortung, die Sergio und das F&E-Team tragen, hat immer auch mit einem ganz bestimmten Balanceakt zu tun. Das Pflaster, mit dem der Beutel und das Stoma, also das Loch im Bauch, verbunden werden, muss genug Haftung haben, sodass alles fest sitzt und dicht ist, aber nicht so viel, dass es der Haut schadet. Kurz gesagt: stark genug, um das Gewicht des Beutels zu tragen, schwach genug, um es problemlos von der Haut lösen zu können. Die Haut ist ein natürliches Material, sie kann trocken sein oder feucht, schlaff oder gespannt, sie verändert sich, je nach Ernährung, Alter, Klima. Das F&E-Team hat einige spezielle Formeln für den Hautkleber entwickelt. Ein Material aus Hydrokolloid absorbiert den Schweiß, bleibt trotzdem haften und passt sich der Haut an. „Wir sind Spezialisten für die Rezeptur dieses Klebstoffs”, sagt Sergio. Das Wissen um diese B. Braun-Spezialität hat das Team sich hart erarbeitet, in der Rezeptur stecken unzählige Arbeitsstunden, Experimente und Diskussionen. „Ich mache das gern“, sagt Sergio. Produkte zu entwickeln, sei für Ingenieure wie ihn natürlich immer interessant, sagt er. Daran würde er auch in anderen Bereichen Spaß haben. Aber etwas erschaffen zu können, was das Leben von Menschen wirklich verbessern kann, das sei etwas ganz anderes, viel erfüllender. Es geht um den Alltag von Menschen, ums Leben. „Die Erfolge, die ich in den fast zwanzig Jahren, die ich hier arbeite, hatte, können die Lebensqualität unserer Stomaanwenderinnen und -anwender verbessern. Und das macht mich stolz“, sagt er.
“Die Erfolge, die ich in den fast zwanzig Jahren, die ich hier arbeite, hatte, können die Lebensqualität unserer Stomaanwenderinnen und -anwender verbessern. Und das macht mich stolz!”
Im oberen Produktionsstockwerk werden währenddessen Stomabeutel hergestellt. Überall stehen Rollen voll mit Kunststofffolie und Vliesstoff, die Fließbänder surren. Am hinteren Teil von Produktionsband 6 hebt eine Maschine mit Saugnäpfen jeweils zwei fertige Ileostomiebeutel an und verteilt sie sauber auf zwei Zehner-Stapel. Das Band fährt weiter, an seinem Ende steht eine Mitarbeiterin in Schutzkleidung. Mit routinierten Handgriffen zählt sie dreißig Beutel ab, prüft sie noch einmal auf Produktionsfehler und packt die Stapel dann in einen Faltkarton von B. Braun: Erst die Beutel, dann die Filterschutzaufkleber und zuletzt der Griff zur Stickerrolle. Auf jede Box kommt ein Aufkleber mit dem Schriftzug „More than 50 years of experience in ostomy devices and skin devices – made in France.” Es ist nicht nur ein Label, das jetzt auf dem Karton prangt, sondern auch ein Versprechen. „Unsere Anwenderinnen und Anwender wollen ihr Leben leben. Ohne Sorge, dass irgendetwas ausläuft“, sagt Sergio. „Wir wissen, wie wir ihnen diese Angst nehmen können.”
Mit Ihrem personalisierten Konto wird Ihr Online-Erlebnis einfacher, bequemer und sicherer.