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Individuell zusammengestellt
Wer künstlich ernährt werden muss, ist häufig auf individuelle Nährstoffmischungen angewiesen. Sharon Durfee hat für das
B. Braun-Tochterunternehmen CAPS in den USA ein Trainingsprogramm für Apothekenpersonal entwickelt. Tanja Gorzel mischt für PNS in Melsungen täglich Lösungen im Reinraum. B. Braun Mitarbeitende wie sie kümmern sich darum, dass Patient*innen jeden Tag verlässlich und professionell mit parenteraler Nahrung versorgt werden.
Am B. Braun-Standort Melsungen gibt es einen 63 Quadratmeter großen Raum, den nur wenige Menschen betreten dürfen. Denn jede Kontamination kann hier tödliche Folgen haben. Tanja Gorzel ist eine von denen, die hineindürfen. Seit zwanzig Jahren arbeitet sie als pharmazeutisch-technische Assistentin bei B. Braun. Genauer gesagt im Werk Professional Nutrition Services (PNS) in Melsungen. Hier werden individuelle Ernährungslösungen für Menschen hergestellt, die auf eine parenterale Ernährung angewiesen sind. Das heißt: Die Patient*innen können ihr Essen nicht mehr über den Magen-Darm-Trakt zu sich nehmen.
Seit zwanzig Jahren arbeitet Tanja Gorzel als pharmazeutisch-technische Assistentin bei
B. Braun.
Zusammen mit 23 Kolleg*innen stellt Tanja pro Jahr 40.000 Infusionsbeutel her – die Hälfte davon für Dialysepatient*innen. Die andere Hälfte ist für Menschen mit dauerhaften Darmerkrankungen, Kurzdarmpatient*innen, Patient*innen mit Stoffwechsel- oder Tumorerkrankungen. Von den rund 200 Menschen, die PNS dauerhaft versorgt, kennt Tanja einige Namen längst auswendig. Sie liest sie fast täglich auf den Rezeptzetteln, die von Apotheken aus ganz Deutschland kommen. Dieses Wissen ist nicht immer leicht zu tragen, schließlich sind das keine Namen von gesunden Menschen, die sie da wiedererkennt. Manchmal sieht Tanja auch Geburtsdaten, die zu nah an dem Datum des jeweiligen Tages liegen, dann wiegt es manchmal auch schwer. „Neugeborene und Säuglinge, das geht einem nahe”, sagt sie. Aber: „Es fühlt sich auch gut an, weil man ja hilft.”
Rund
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Infusionsbeutel stellt PNS in Deutschland pro Jahr her
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Infusionsbeutel stellt CAPS in den USA pro Jahr her
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Tage im Jahr werden die Patient*innen versorgt.
Heutzutage ist es häufig kein Todesurteil mehr, wenn Menschen so schwer erkranken, dass sie künstliche Ernährung brauchen. Aber es gibt viele Patient*innen, die zusätzlich sehr alt, sehr jung, sehr untergewichtig sind, manche haben eine Stoffwechselerkrankung – da helfen keine Standardprodukte, da passt kein klassischer Dreikammerbeutel. Hier kommt B. Braun ins Spiel. Nach den Vorgaben von Ärzt*innen und Apotheker*innen wird jeweils eine patientenindividuelle Ernährungslösung zusammengestellt. B. Braun als großes Industrieunternehmen ist mittlerweile einer der wenigen Betriebe, der das sogenannte Compounding noch anbietet, die Ausgangsprodukte stammen überwiegend aus hauseigener Fertigung.
Tanja Gorzel verlässt jetzt den Besprechungsraum und geht in die Umkleidekabine mit den hellblauen Spinden. Im Wäschewagen wartet frische Wäsche: weiße T-Shirts, Socken, Pullover. Zwei Türen weiter wird es in der ersten Schleuse schon merklich kühler, an der Decke sind Luftfilter eingelassen. Weiße Wände, blauer Boden, gelbe Linie. „Stehen bleiben”, sagt Tanja. An der Linie kommt nur vorbei, wer doppelt desinfiziert ist, Arbeitskleidung, ein Haarnetz und einen Überzug für die Schuhe trägt. Denn der Reinraum in Melsungen hat die höchste Reinraumklasse, in der noch Menschen erlaubt sind: Klasse B. Also: mehrstufige Personalschleusen, spezielle Lüftungstechnik, eigenes Labor, viele Materialdurchreichen.
Das Mischen der Nährstofflösungen muss unter keimfreien Bedingungen erfolgen. Hier kommt nichts rein, was nicht rein soll, der Schutz der Patient*innen hat höchste Priorität. Manchmal schauen in Melsungen auch Patienten*innen vorbei. Dann bekommen sie vom Werkleiter Anton Epp eine Führung durch den gläsernen Besuchergang. Sie können durch die großen Scheiben in den Reinraum blicken, in dem die Beutel hergestellt werden, die sie brauchen. „Die meisten sind überrascht, weil sie sich den Prozess nicht so aufwendig und komplex vorgestellt haben”, sagt Epp.
Rund zwölf Flugstunden und einen Ozean entfernt, sitzt Sharon Durfee an ihrem Schreibtisch in Fort Collins im US-Bundesstaat Colorado und weiß ganz genau, mit welcher Verantwortung die Mitarbeiter*innen in Melsungen umgehen müssen. „Jeder Fehler kann zur Gefährdung einer Patientin oder eines Patienten führen“, sagt Sharon. Sie arbeitet als Apothekerin für klinische Ernährungsberatung bei Central Admixture Pharmacy Services (CAPS). CAPS ist eine Tochtergesellschaft von B. Braun in den USA, die das ganze Land mit individuell hergestellten intravenösen Lösungen aus ihren 21 Apotheken versorgt. Dazu kommen noch einmal zwei Apotheken, die große Chargen nicht-patientenspezifischer Medikamente für den Krankenhausgebrauch herstellen.
Die Mitarbeiter*innen von CAPS sind jeden Tag im Einsatz. Im Jahr werden zwei Millionen Beutel hergestellt und im gesamten Land versandt, die Apotheken liefern 365 Tage im Jahr. Jede einzelne Bestellung, die bei einer CAPS-Apotheke eingeht, wird noch einmal geprüft, bevor es an die Produktion geht. Falls es Probleme mit der Rezeptur gibt, halten die Apotheker*innen Rücksprache mit den Kunden, fragen nach, weisen auf Fehler hin, korrigieren, erst dann wird die Rezeptur in das elektronische System eingespeist und die Ernährungslösung in den Reinräumen der Apotheken hergestellt. „Unsere Apothekerinnen und Apotheker sind das letzte Sicherheitsnetz, bevor die Ernährungslösung produziert wird“, sagt Sharon.
Seit fast zehn Jahren arbeitet sie bei CAPS. Sharon hält sich über die neuste Forschung zu parenterale Ernährung auf dem Laufenden, informiert die Leitungen der CAPS-Apotheken und steht für Fragen zur Verfügung.
Über die Jahre entwickelte Sharon ein Trainingsprogramm für Apotheken, Pflegekräfte, Diätassistent*innen und Ärzt*innen: Vier einstündige Schulungen, die klar machen sollen, um was es geht, worauf es ankommt, und wie richtige Rezepte aussehen. Denn die Bestellungen, die bei den CAPS-Apotheken einlaufen, können Ungenauigkeiten enthalten, die möglicherweise Leben kosten können. In der Ausbildung von Apotheker*innen und Ärzt*innen steht parenterale Ernährung nicht im Fokus. Die Apotheker*innen im Krankenhaus sind manchmal also nicht so vertraut mit der Rezeptur von Ernährungslösungen. Kleine Unaufmerksamkeiten können Konsequenzen haben. „Parenterale Ernährung ist eine Medikation, bei der man aufpassen muss“, sagt Sharon. Eine Studie von Caps und der American Society for Parenteral and Enteral Nutrition (ASPEN), an der auch Sharon mitarbeitete, kam zu dem Schluss, dass bei 38.000 Bestellungen für parenterale Lösungen, bei 252 interveniert werden musste.
“Wenn ein Kunde versehentlich die falschen Bestandteile in eine parenterale Ernährungsformel gibt, weisen wir darauf hin. Für mehr Sicherheit zu sorgen, ist ein gutes Gefühl.”
In den späten Siebzigerjahren arbeitete Sharon noch als Apothekerin in einem Krankenhaus in Fort Collins, Colorado, zu einer Zeit, in der die parenterale Ernährung erst aufkam. Schon damals stellte sie ein Team zusammen, das sich um die Qualitätskontrolle kümmerte. „Ich liebe es, mit Menschen zu arbeiten. Wenn ein Kunde versehentlich die falschen Bestandteile in eine parenterale Ernährungsformel gibt, weisen wir darauf hin. Für mehr Sicherheit zu sorgen, ist ein gutes Gefühl“, sagt sie. Heute sitzt Sharon in mehreren Ausschüssen für nationale Organisationen, unter anderem für die American Society for Parenteral and Enteral Nutrition (ASPEN). „Mein Beruf ist sehr erfüllend für mich. Am Ende des Tages sorge ich durch die Weitergabe meines Wissens dafür, dass unsere Patientinnen und Patienten sicherer sind“, sagt Sharon. Die ASPEN sieht das genauso. Jedes Jahr vergibt die Gesellschaft den Stanley Serlick Award. Damit werden Apotheker*innen ausgezeichnet, die einen bedeutenden Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit bei der parenteralen Ernährung geleistet haben. Im Jahr 2024 ging der Award an Sharon Durfee.
In Melsungen, auf der anderen Seite des Atlantiks, steht Tanja Gorzel in der letzten Schleuse, die sie vom Reinraum trennt. Auch ihre Gedanken sind jetzt ganz bei den Patient*innen. Sie packt ihren weißen Overall aus, achtet darauf, dass sie ihn nur von innen berührt, schlüpft hinein und schließt den Reißverschluss. Ihre braunen Haare hat sie schon zwei Schleusen früher unter ein Haarnetz gepackt, Kopf und Stirn stecken in einer brustlangen Haube, die Füße in speziellen Sicherheitsclogs und Reinraumstiefeln. Nach und nach verschwinden auch die letzten Körperteile hinter einer Kleidung aus Schutz: Maske, blaue Armstulpen, Brille. Die Hände sind zweifach verpackt. Die erste Schicht ist dunkler als die zweite, damit Tanja sofort sehen kann, wenn im Handschuh ein Loch entstehen sollte. Sie dreht sich noch einmal um, winkt, geht über die Klebematte, an der übriggebliebene Partikel haften bleiben, dann ist sie verschwunden. Sie ist jetzt im Reinraum. Schließlich müssen Ernährungslösungen gemischt und Beutel gefüllt werden.
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